| Geschichte |
|
|
Seite 2 von 10 1 Aus der Geschichte der Korporationen und des Cartellverbandes Die ersten katholischen Studentenverbindungen entstanden in der Mitte des 19. Jahrhunderts. Sie übernahmen, obwohl sie inhaltlich weitgehend neue Ziele verfolgten, in vielerlei Hinsicht die Formen und die innere Struktur der bereits bestehenden Verbindungen, so wie sie sich in einer jahrhundertelangen Entwicklung herausgebildet hatten. Im Hochmittelalter wurden in Europa die ersten Universitäten als allgemeinumfassende wissenschaftliche Hochschulen gegründet (1222 Paris, 1348 Prag, 1365 Wien, 1386 Heidelberg). Da an den Universitäten Studierende aus mehreren Ländern zusammenkamen, wurden sie in sog. "nationes" eingeteilt (Universität Paris - “Notre Dame"). Aus der englischen "Nation” entstand die deutsche "Nation", die Studenten aus Deutschland, Österreich, Schweiz, England, Böhmen und Mähren, Litauen und aus skandinavischen Ländern umfaßte. Die zu den entsprechenden "nationes" gehörenden Studenten wurden in gemeinsamen Kollegienhäusern, den "Bursen", zusammengefaßt (daher auch das Wort "Bursch"). Jeder Student mußte, wollte er an der Universität studieren, in die Burse seiner Landsmannschaft eintreten. In der Burse waren die Studenten einer strengen Aufsicht und einem festen Reglement unterworfen. Es gab zwar Ansätze von Studentischer Selbstverwaltung (wie z.B. in der Universität in Bologna), sie wurden jedoch im Laufe der Zeit weitgehend eingeschränkt. Von der akademischen Freiheit konnte also insoweit noch keine Rede sein. Unter dem Einfluß von aufkeimendem Humanismus und Reformation wurden Anfang des 16. Jahrhunderts die Bursen in ihrer alten starren Form aufgelöst. In der nun folgenden Zeit der neugewonnenen Freiheit entwickelten die Studenten einen eigenständigen Lebensstil und spezifische Formen des Gemeinschaftslebens. In der Zeit des 16. und 17. Jahrhunderts entstanden standesspezifische Sitten und Gebräuche, die sich teilweise bis zum heutigen Tage erhalten haben, wie z.B. die mit Latein angereicherte - Standessprache, Trinksitten, Lieder, das Tragen des Degens, der Zweikampf. Etwa ab dem Jahre 1600 entstanden in den Nationalkollegien zum Zwecke der gegenseitigen Unterstützung körperschaftlich organisierte studentische Vereinigungen, die Landsmannschaften. Das Gemeinschaftsleben in diesen Landsmannschaften unterlag strengen Regeln. Die Leitung hatte ein selbstgewählter "Senior" inne. Besonderes Augenmerk wurde auf die Einführung und die Anleitung der neuen Mitglieder gelegt. Diese mußten sich erst verschiedenen, teilweise sehr rüden Prüfungen unterziehen, bevor sie in die Gemeinschaft endgültig aufgenommen wurden. Für die Neumitglieder kam in den Landsmannschaften erstmals der Begriff Fuchs auf. Die Landsmannschaften wurden im Zeitalter des Absolutismus ab 1650 immer stärker unterdrückt, da sie nach Ansicht der absolutistischen Herrscher einen Fremdkörper in dem von oben herab straff geführten Staatswesen darstellten. Die Landsmannschaften existierten teilweise geheim weiter, um das Jahr 1700 herum kam das Verbindungsleben jedoch völlig zum Erliegen. Erst gegen 1750 kamen wieder neue landsmannschaftliche Vereinigungen auf, die nun besonders das Prinzip der Wehrhaftigkeit betonten. Als Unterscheidungsmerkmal trugen die Mitglieder dieser Landsmannschaften bereits ein farbiges Band am Degen und eine Kokarde am Hut. Neben den Landsmannschaften entstanden gegen Ende des 18. Jahrhunderts studentische "Orden". Diese nahmen erstmals das Prinzip der Lebensfreundschaft auf. |
||||||||||||


