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1.5 Die Lage des deutschen Katholizismus zu Anfang und in der Mitte des 19. Jahrhunderts

Der Katholizismus hatte in der Zeit der Romantik einen sehr starken Aufschwung genommen. Die traditionsreiche Geschichte der Kirche sowie auch ihr Formenreichtum kamen den Auffassungen des romantischen Menschen sehr entgegen. Viele bedeutende Romantiker sind daher auch zum katholischen Glauben übergetreten oder haben sich wieder zum Katholizismus bekehrt.

Der so in seinem Selbstbewußtsein gestärkte Katholizismus kam bald mit anderen gesellschaftlichen und politischen Kräften in Konflikt. Auf gesellschaftlicher Ebene hatte der Katholizismus vor allem mit Anfeindungen der liberalen bürgerlichen Kreise zu kämpfen. Diese sahen, was teilweise auch durch die Erfahrung gerechtfertigt sein konnte, die Kirche als Hort der Unduldsamkeit an, der man daher auch nicht mit der sonst gebotenen Toleranz begegnen müsse. Diese Gegnerschaft des Liberalismus hatte zur Folge, daß Katholiken der Aufstieg im gesellschaftlichen und vor allem auch wissenschaftlichen Bereich weitgehend versagt blieb.

Ein weiterer Gegner erwuchs dem deutschen Katholizismus in dem preußischen Staatskirchentum. In Preußen waren Staat und konservativer Protestantismus nach dem Wiener Kongreß eine enge Bindung eingegangen. Die evangelische Lehre, oder was man dafür hielt, wurde mit zur Richtschnur des Staatslebens. Vor allem der Beamtenapparat war darauf eingeschworen. Für katholische Eigenheiten und Eigenentwicklungen hatte man kein Verständnis. Nun waren aber Preußen durch den Wiener Kongreß mit den Rheinlanden ein Gebiet mit ganz überwiegender katholischer Bevölkerung zugefallen. Es mußte daher nahezu zwangsläufig zu Auseinandersetzungen kommen. Einen Höhepunkt fand diese Entwicklung im Kölner Kirchenstreit von 1837 bis 1840, der sich an einem vergleichsweise geringfügigen Anlaß entzündet hatte, nämlich an der religiösen Kindererziehung.

Der Erzbischof von Köln beharrte auf dem katholischen Standpunkt und nahm in den Auseinandersetzungen mit der Staatsverwaltung eine unnachgiebige Haltung ein. Die preußische Regierung reagierte ihrerseits hart und ließ den Erzbischof auf die Dauer von drei Jahren in Festungshaft setzen.

Die Wirkung der "Kölner Wirren" auf die katholische Bevölkerung war außerordentlich stark. Sie führten - wie meist in solchen Fällen - zu einer breiten Solidarisierungsbewegung. Die Lage beruhigte sich erst wieder, als in Preußen 1840 Friedrich Wilhelm IV. auf den Thron kam. Es kam zu Vereinbarungen und Regelungen, die Rechte der Katholiken im preußischen Staate sichern sollten.

Trotzdem sollte es noch viele Jahrzehnte dauern, bis die Katholiken im Staate Preußen in angemessenem Umfang an der Staatsmacht beteiligt wurden. Die in folgenden Jahrzehnten verfolgte Politik (die Otto von Bismarck - Ära) wird als "Kulturkampf" bezeichnet.



 

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