| Geschichte |
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Seite 7 von 10 1.6 Gründung der katholischen Studentenverbindungen Aus den Auseinandersetzungen mit der preußischen Staatsmacht und herrschenden gesellschaftlichen Kräften war die katholische Kirche innerlich und äußerlich gestärkt hervorgegangen. Der Einsatz der katholischen Bevölkerung für Glauben und Kirche waren stark gewachsen. Diese religiöse Aufbruchstimmung ergriff auch die studierende Jugend. Unter den katholischen Studenten regte sich das Bedürfnis, sich zur Förderung der gemeinsamen Ideale und Zielsetzungen zusammenschließen. Sie erkannten, daß sie feste Vereinigungen bilden mußten, wenn sie sich an den von liberalen Kräften beherrschten Universitäten durchsetzen wollten (hier als liberal ist eine gewisse Antikatolizität, die mit der preußischen Raisson verbunden war, zu verstehen). So entstanden um die Mitte des 19. Jh. eine ganze Reihe von katholischen Studentenverbindungen, wobei sich die einzelnen Verbände mit ihren unterschiedlichen Formen und Zielsetzungen erst allmählich herauskristallisierten. In den äußeren Formen lehnten sich die katholischen Verbindungen weitgehend an bestehenden Vorbildern an. Auch den nationalen Gedanken, der in den Corps und vor allem in den Burschenschaften stark gepflegt wurde, machten sie sich zu eigen (vor dem ersten Weltkrieg - Prinzip Patria). Was die katholische Verbindungen von den anderen Verbindungen Unterschied, war ihr Bestreben, das Gemeischaftsleben bewußt auf einer christlichen Ethik aufzubauen und dem katholischen Gedankengut in Staat und Gesellschaft wieder Geltung zu verschaffen. Als erste katholische Verbindung auf deutschem Boden entstand 1844 in Bonn die Bavaria. Beeindruckt vom Erlebnis eines Fackelzuges, den die Bonner Bevölkerung für den auf Besuch in ihrer Stadt weilenden Bischof von Trier veranstaltet hatte, gründete der Theologiestudent Josef von der Burg am 15.11.1844 zusammen mit sechs anderen Kommilitonen diese Verbindung. Ihr erklärtes Ziel war es, "durch Belebung der katholischen Interessen dem fortschreitenden Indifferentismus Einhalt zu tun". Auf Anregung der Bavaria taten sich in Bonn noch fünf weitere Verbindungen auf: Romania, Salia, Burgundia, Ruhrania und Thuringia. Alle sechs Verbindungen bekannten sich zum Tragen von Farben. Sie vereinigten sich zur Union, deren rot-weiß-rotes Band sie neben dem ihrigen trugen. Die Union diente "der Förderung der Wahrheit im Erkennen und Leben" durch wissenschaftlichen und geselligen Verkehr. Unabhängig von der Entwicklung des Verbindungswesens in Bonn kam es im Jahre 1848 in München zu einem Zusammenschluß katholischer Studenten. Die Ausgangsposition war hier eine etwas andere als die in Bonn. Bei den Verbindungsgründungen in Bonn ging es primär um die Bewahrung des katholischen Elements im evangelisch geprägten preußischen Staat. Demgegenüber hatte die Kirche in Bayern zumindest seit Ludwig I. immer eine wohlwollende Förderung durch den katholischen Monarchen erfahren. Allerdings gab es auch hier im Bürgertum und im universitären Bereich weiterhin starke, liberale Kräfte, die der Kirche gegenüber eine kritische Haltung einnahmen. Die Auseinandersetzung mit diesen liberalen Kreisen bestimmte daher maßgeblich die Gründung der katholischen Vereinigungen. Am 5.2.1851 entstand nach dem Übertritt zur Universität die Verbindung Aenania (von lat. Aenus = Inn). Die neugegründete Verbindung bemühte sich alsbald, mit anderen gleichaltrigen Vereinigungen Kontakt aufzunehmen. |
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